Aktivster Vulkan der Erde: Ätna auf Sizilien. Visionär Andrea Franchetti erkannte das önologische Potenzial des Vulkan-Terroirs.

Ein spektakulärer Ausbruch des aktivsten Vulkans der Erde liess die Welt in den letzten Wochen auf Sizilien schauen. Gigantische, mehr als 1000 Meter hohe Lavafontänen sorgten für fesselnde Bilder vom Ätna. Der sich ständig erneuernde Berg von wilder und rauer Schönheit erhebt sich 3300 Meter über dem Meer. Auf die feurigen Eruptionen folgten gewaltige Aschewolken, 12 Kilometer hoch. Und schwarzer Ascheregen, der bis Catania reichte und den dortigen Flughafen teils lahmlegte. Go­-Etna, ein sizilia­nischer Reiseveranstalter, bezeichnete das Ätna­-Jahr 2019 als «unruhig», das Jahr 2020 als «lebhaft». Aber die Erup­tionsphasen seit Januar 2021 seien in ihrer Häufigkeit aus­sergewöhnlich gewesen. «Zuerst alle 24 Stunden, danach wieder in grösseren Intervallen.»

Loureiro-Weine von Önologe José Luís Moreira da Silva.


«Vulkane sind düstere Orte», dachte sich Andrea Franchetti, als er im Winter 2000 nach Sizilien kam. «Der Ätna schien mir noch düsterer, weil er ein verlassener Vulkan war. Über­all an seinen Hängen lagen eingestürzte Weingüter. Die ge­mauerten Terrassen der Weingärten verschwanden im wu­chernden Gebüsch. Die Kirchen in den alten Orten zeigten sich aschfahl.» Franchetti, Eigentümer der Tenuta di Trinoro in der Toskana, liess sich jedoch nicht von der verrückten Idee abbringen, Weinberge am Vulkan oben zu restau­rieren, neu anzulegen. Noch im gleichen Jahr übernahm Andrea Franchetti an den Ätna­-Hängen einen alten Bauern­hof mit Keller, auf etwa 1000 Metern Höhe über dem klei­nen Weinort Passopisciaro im Bezirk Castiglione di Sicilia. Der Visionär Andrea Franchetti war fest vom önologischen Potenzial des Vulkan­-Terroirs überzeugt, zugleich glaubte er an den unschätzbaren Wert von Lagenweinen, an das von ihm ins Leben gerufene Konzept der Contrade, die Na­men wie Rampante, Chiappemacine, Porcaria, Guardiola und Sciaranuova haben. Damit leitete der Winzer eine eigentliche Renaissance der Weinkultur am Ätna ein, es war zugleich ein erster Schritt zur internationalen Aner­kennung von am Ätna gewachsenen Weinen.

Zu Franchettis Gut Passopisciaro gehören 26 Hektaren Weinberge. Bepflanzt sind sie mit Nerello mascalese, teils wurzelechten, 80 bis 120 Jahre alten Reben, sowie Petit Verdot, Cesanese di Affile und Chardonnay.

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